Warum steht in dieser Homepage
etwas über eine Preußen-Königin
Zum Einen war sie eine Tochter Herzog Karls, der Hohenzieritz als Erholungsresidenz nutzte. Zum anderen verstarb die Königin hier nach schwerer Krankheit. Sie genoß wegen ihres Schicksals, ihrer volkstümlichen Art und nicht zuletzt wegen ihres Äußeren ein hohes Ansehen. Das ist auch der Grund dafür, daß ihre historische Bedeutung (s. Verhandlung mit Napoleon), oft auch heute noch überbewertet wird. Die Hohenzieritzer sehen die Königin als "ihre Luise", obwohl Hohenzieritz sie nicht sehr oft zu Gesicht bekam.
Ich stütze mich bei meinen Ausführungen vor allem auf die Biografie von Taack. Merete van Taack geht sehr intensiv auf die Persönlichkeiten, ihre Gefühle und die Geschichte ein und benutzt dabei reichlich vorhandene Tagebücher, Memoiren, Briefe und Notizen von Luise selbst, aber auch von Personen aus ihrer Umgebung. Es wird ein wahres Märchen voller Prinzen und Prinzessinnen, Krieg und Frieden, Romantik, aber auch Schicksalsschlägen erzählt. Mit ironischen Worten gelingt es hier, die historischen Figuren auf menschliche Weise zu beleuchten.
„Ich bin nicht zur Königin geboren, …, doch will ich gern das Opfer werden, wenn nur sonst in Zukunft dadurch was Gutes gestiftet werden kann …“ (Luise in einem Brief an ihren Bruder Georg)
In der Mitte des 18. Jahrhunderts ging es dem Hause Mecklenburg-Strelitz nicht schlecht. England hatte ein starkes Interesse an ihm. Georg II. und III. von England, die auch Kurfürsten von Hannover waren, wollten gern einen Fuß in der Tür haben, falls sich Friedrich der Große von Preußen entscheiden sollte, seine verstreuten niederrheinisch-westfählischen Besitzungen durch einen Krieg gegen Hannover zu vereinen. Georg II. machte den jungen Prinzen Karl II. (1741-1816) von Mecklenburg-Strelitz zu seinem Schützling und verlieh ihm bereits mit 4(!) Jahren Offiziersrang. Später wurde er dann auch Gouverneur in Hannover. Nebenbei flossen immer wieder hohe Geldbeträge in seine Taschen. Georg III. (1738-1820) heiratete Karls Schwester Sofie Charlotte (1744-1818).
Karl lebte in Hannover und hielt sich ab und zu auch in Darmstadt auf, wo es eine Fülle von Zerstreuungen für einen Prinzen gab. Hier lernte er 1767 die erst 15jährige Schönheit Friederike von Hessen-Darmstadt (1752-1782) kennen. Man gab sie ihm bereitwillig im Herbst des folgenden Jahres zur Frau.
In Hannover gebar sie bis 1775 fünf Kinder, von denen nur zwei Töchter überlebten. Ein Thronfolger sollte her und man machte sich bereits Sorgen um die Gesundheit der eher zierlichen 23jährigen, als sie wieder schwanger wurde. Friederike, die ihren Mann liebte wünschte sich sehr einen Sohn. Sie gebar am 10. März 1776 Luise. Nach einer weiteren Tochter wurde 1779 endlich der Sohn Georg geboren. 1782 starb Friederike im Alter von 29 Jahren nach schwerer Grippe. Zwei Tage zuvor verlor sie durch Frühgeburt noch einmal ein Kind. Es war ihre zehnte Schwangerschaft.
Karl heiratete bald darauf ihre Schwester Charlotte (1755-1785), die ihm ebenfalls noch einen Sohn (sein sechstes Kind) schenkte, bevor sie 1785 am Kindbettfieber stirbt. Der Herzog heiratete nicht wieder.
Die Kinder empfinden offenbar keinen großen Verlust an den beiden Frauen, denn sie bekamen Mutter und Stiefmutter vorher schon manchmal monatelang nicht zu Gesicht. Fräulein von Wolzogen war bis dahin ihre Erzieherin und wichtigste Bezugsperson. Luise ist das lebhafteste Kind, oft vorlaut und aufsässig.
1786 ziehen die drei Prinzessinnen von Mecklenburg-Strelitz Therese
(14), Luise (10) und Friederike (8) (Charlotte, die älteste Tochter,
war bereits verheiratet worden) nach Darmstadt zur Großmutter um,
während der Vater sich dem Reisen widmet. (Dazu kündige er auch
seine Ämter in Hannover.) In Darmstadt verleben die Mädchen eine
unbeschwerte, glückliche Jugend.
Luise besticht durch ihre unbekümmerte Frische. Sie sagt was sie
denkt, ist unpünktlich, nascht gerne und viel, bleibt aber schlank
(ja fast zu schlank - für diese Zeit). Ihre Lehrer klagen über
ihre Zerstreutheit, Unlust und äußerst mangelhafte Leistungen.
Dabei sind die Anforderungen (Französisch, Deutsch, Geographie, Geschichte
…) keineswegs hoch, soll sie doch später nur früh heiraten und
Kinder gebären. Nur dem Religionsunterricht folgt sie mit Begeisterung.
Zeit ihres Lebens wird sie jedoch nie fehlerfrei schreiben können.
Weder auf Französisch noch in ihrer Muttersprache. Dabei zeigt sich
später, daß die Lehrer es nur nicht verstanden, ihr Interesse
zu wecken. Sie hatte den Wunsch nach Bildung und ihr Gatte erkannte früh,
daß sie ihm überlegen wäre, würde man sie lernen lassen.
So lehnte er ihre geistigen Bestrebungen stets ab. Was sie aber an Bildung
nicht besitzt macht sie mit gesundem Menschenverstand mehr als wett.
Seit der Kündigung der hannoverschen Ämter des Vaters reicht sein Einkommen nur für die eigenen „bescheidenen“ Ansprüche. In Karl Alexander von Thurn und Taxis, der sich in Therese verliebt hatte, und steinreich aber eben nur ein Fürst (zudem noch katholisch !!) war, sieht man nach einigem Zögern eine gute Partie. 1789 findet dann auch die Hochzeit statt und die Schwestern müssen sich schweren Herzens trennen.
Luise und Friederike leben in bescheidenen Verhältnissen, ja fast schon bürgerlich, weshalb ihnen Hochmut immer fremd bleibt. Sie können aber aus gleichem Grund auch nur wenig Bälle besuchen. So wird Luise erst mit 16 in die Gesellschaft eingeführt - anläßlich der Krönungsfeierlichkeiten für Kaiser Franz II. in Frankfurt. Des Kaisers enger Berater, Lothar Graf Metternich (20) eröffnet mit ihr den Krönungsball. Sie strahlt vor Freude über diese Ehre und zählt an diesem Abend zu den hübschesten, anmutigsten Damen. Was für ein Paar! Leider fehlen ihr die Eigenschaften, die sie für den Grafen anziehend gemacht hätten. Vor allem Koketterie und Schlagfertigkeit. In Frankfurt wohnt die Familie im Haus von Frau Rat Goethe, der Mutter des Dichterfürsten. Zu Frau Aja entwickelt sich eine innige Freundschaft.
Friedrich Wilhelm III. (1770-1840) von Preußen war der Großneffe Friedrich II. des Großen (1712-1786). Diesen strengen und disziplinierten Herrscher liebte und verehrte er mehr als seinen eigenen Vater, der vor allem durch eheliche Untreue und Bigamie auffiel (Mätresse: Wilhelmine Enke) und unter dessen 10jähriger Herrschaft der Staat in Sittenlosigkeit verfiel. Die Mutter Friedrich Wilhelm III. war Friederike von Hessen-Darmstadt (1751-1805) - eine Frau, die - mit geistigen und äußeren Mängeln ausgestattet - die Untreue Ihres Gatten zu ertragen hatte .
Der Prinz hatte also kein besonders gutes Verhältnis zu seinen Eltern und eine liebesarme Jugend. Friedrich der Große ließ ihn sehr sorgsam und streng erziehen. Eitelkeit, Launen und Stolz konnten in ihm nicht aufkeimen und er erhielt auch einen Blick für die Bedürftigen. Er war verschlossen und es mangelte ihm an Selbstvertrauen.
Mit 22 Jahren sollte er sich um eine Braut bemühen. Einzige Bedingung: Sie mußte von ebenbürtigen Adel sein. Nachdem er einige Anwärterinnen (u.a. aus England) abblitzen ließ, wollte er die mecklenburgischen Schönheiten aus Darmstadt, von denen er gehört hatte, kennenlernen - unsere Prinzessinnen Luise und Friederike . Karl II war gar nicht glücklich, hatte doch das preußische Haus sehr an Ansehen verloren. Er besaß aber genug Klugheit, sich aus allem herauszuhalten. So lag die Verantwortung für Friederike (15) und Luise (17) bei der Darmstädter Großmutter.
Diese arrangierte im März 1793 ein „zufälliges“ Treffen mit dem preußischen König und seinen Söhnen (Friedrich Wilhelm III. und Ludwig). Der König war sehr angetan von den beiden hübschen Prinzessinnen („Frische Fische, gute Fische“ sagte er zu Friedrich Wilhelm) Und um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, äußerte er den Wunsch, daß sich die Brüder mit den beiden Schwestern verlobten. Obwohl Friederike verführerischer, galanter war, und „sie mehr formiert schien“, verliebte sich der Kronprinz in Luise. Der lange kränkelnde Ludwig mußte also Friederike heiraten, und er „blieb sehr kalt gegen seine Braut, so zärtlich und zuvorkommend sie auch gegen ihn war.“ Naja - er verstarb bereits 1796. [Zitate aus „Eigenhändige Aufzeichnungen Königs Friedrich Wilhelms III. Geschrieben im X br 1810“]
Die Schwestern sind froh zusammenbleiben zu können. Karls Begeisterung hingegen hält sich bei der Nachricht über die Doppelverlobung in Grenzen. Schließlich würden die standesgemäßen Hochzeiten und Aussteuern sein Budget bei weitem übersteigen. Zum Glück ist der preußische König großzügig und kann seine Sorgen zerstreuen.
Luise und Friedrich Wilhelm haben 1793 eine glückliche Brautzeit. Der Kronprinz lernt in Darmstadt eine herzliche Familie kennen, in die er ebenso herzlich aufgenommen wird. Obwohl er sich im Krieg befindet, besucht er Luise häufig und die Großmutter läßt es zu. Die Briefe, die sie sich gegenseitig schreiben, zeugen trotz der kurzen Bekanntschaft von Vertrautheit und Zuneigung. Luise schreibt dabei „frei von der Leber weg“ und setzt sich damit über die Anweisungen ihrer Großmutter und ihres Vaters (sie solle etwas zurückhaltender sein) hinweg. Daß Luises Briefe in einem französisch-deutschem Durcheinander verfaßt sind, orthographisch katastrophal, macht sie nur noch liebenswürdiger. Obwohl sie noch kindlich verspielt scheint, ist sie sich offenbar über ihre Fehler, vor allem aber über ihre Gefühle vollkommen im klaren, denn sie drückt sie ganz offen und in intensiven Worten aus. Aus Vertrautheit wird über ein halbes Jahr eine unbesiegbare Liebe.
Die Prinzessinnen werden im Dezember 1793 in Berlin mit allen Ehren
und von begeisterten Massen empfangen. Luise gewinnt die Herzen der Berliner,
als sie gegen jede Etikette ein Kind aus Dankbarkeit umarmt und der empörten
Oberhofmeisterin (von Voß) entgegenhält: „Wie ? Darf ich das
nicht mehr tun?“ Die Hochzeit findet am Heiligen Abend statt, die von Friederike
und Ludwig zwei Tage später. Luise bietet dem Prinzen nach der Hochzeitsnacht
das „Du“ (!!) an und er stimmt freudig zu.
Luise ist anfangs (fast) überall beliebt. Doch bald schon nimmt
man Anstoß an ihrer zügellosen Art. Am preußischen Hof
muß man sich zu benehmen wissen und die Prinzessin hat in dieser
Hinsicht viel zu lernen und sich anzupassen. Leider geht ihr dadurch die
Ungezwungenheit und der Spaß an dem neuen Leben etwas verloren. Hinzu
kommt die Totgeburt einer Tochter im Herbst 1794.
Aber mit der Zeit gewöhnt sich Luise an die neue Umgebung. 1795 bringt sie einen Thronfolger, Friedrich Wilhelm, zur Welt, 1797 Wilhelm, der 1871 erster Kaiser des deutschen Reiches wird. Im Jahre 1796 besucht sie „Papa“ Karl, der inzwischen Herzog geworden ist, und betritt zum ersten Male Mecklenburg-Strelitz, das Land, dessen Namen sie vormals trug.
Mit dem Tod Friedrich Wilhelm II. übernimmt ihr Gatte die Regierung. Friedrich Wilhelm III. möchte im Stile Friedrichs des Großen regieren und setzte sich als vornehmlichste Aufgabe, die hohen Schulden des Landes abzutragen. Vor allem die Kriege, die sein Vater führte, und die Prunksucht - davon war er überzeugt - waren Schuld an der Misere. Außenpolitisch setzt er auf Neutralität und Frieden. Die neue Aufgabe zerrt an den Nerven des jungen (27) Königs. Luise versteht es immer wieder mit einer ungeheuren Selbstlosigkeit, die Launen ihres Mannes abzufangen.
Aus Sparsamkeit bleibt der König im Kronprinzenpalais wohnen und die Königin erhielt nicht den sonst üblichen eigenen Wohnsitz. Luise muß mit einem Etat von 1000 Talern monatlich zurechtkommen, was besonders schwer wird, da sie mit Friederike (deren Gatte inzwischen verstorben war) in der Mode wetteifern muß. So zahlt der König bald aus eigener Tasche 64000 Taler an die Schneider.
Friederike ist eine sehr umgängliche junge Witwe, die im Sommer und Herbst 1798 dem Prinzen zu Solms-Braunfels näherkommt. Als sie dann „illegitimen Mutterfreuden“ entgegensieht, befiehlt der moralische König die Hochzeit und verlangt, daß sie Berlin verläßt. Die 3 Kinder, die sie Ludwig schenkte (sie war 18 als er starb !!), sollen am preußischen Hof erzogen werden. Luise muß zum ersten Mal auf die Gesellschaft ihrer Schwester verzichten.
Der König ist für Repräsentationen nicht geschaffen und daher froh, das Luise sich weltgewandt bewegt und ihm diese Last abnimmt. Preußen hat wieder eine Königin! So stellt er gern die nötigen finanziellen Mittel bereit, die die Mode erfordert. Es nimmt aber anscheinend niemand Rücksicht auf die Gesundheit der fast ständig Schwangeren. - Außer ihrem Bruder Georg zu dem sie ein inniges Verhältnis hat.
Luise ist an der Politik nicht sehr interessiert. Sie wagt es auch nicht,
dem König in diese hineinzureden. Die große literarische Bewegung
der Zeit Goethes und Schillers geht an ihr scheinbar vorbei, obwohl sie
die geistigen Größen kennenlernt. Aber in dem Schreibstil ihrer
Briefe ist der Einfluß guter Literatur zu spüren, denn sie drückt
sich gewählter und präziser aus.
Friedrich Wilhelm III sieht sich in der Umgebung von Berlin nach einem
Sommersitz um und findet Paretz. Hier wird ein ländliches Schlößchen
gebaut, das häufig von dem hohen Paar besucht wird. Der König
findet hier die nötige Erholung und Luise die Landluft, die sie braucht.
Der Oberhofmeisterin ist es zu provinziell.
Obwohl der König seiner Frau treu ist, hat er doch Augen für
die Schönheiten auf der Welt. So verguckt er sich 1801 in die schöne
Erbprinzessin von Mecklenburg Schwerin, eine Schwester des Zaren Alexander
I. Weil sie sich der Treue ihres Mannes sicher ist, regt sich bei Luise
keine Eifersucht. Im Gegenteil. Mit „belle Hélène“ verbindet
sie eine innige Freundschaft.
Als das Königspaar im Juni 1802 den Zaren trifft, hegt Luise romantische
Gefühle gegen ihn. Die Ausgelassenheit jener Tage und die Freundschaft
mit dem König wird auch dem Zaren stets in Erinnerung bleiben, selbst
als im Herbst 1805 das Verhältnis zwischen Rußland und dem um
jeden Preis neutralen Preußen auf eine harte Probe gestellt wird.
(Durchmarsch russischer Truppen auf dem Feldzug nach Frankreich). Im Andenken
nennt das Königspaar seine 1803 geborene Prinzessin Alexandrine.
England und Rußland schließen sich 1805 gegen Napoleon
zusammen. Österreich tritt später bei. Napoleon annektiert Italien,
was sich Österreich nicht bieten läßt. Die Alliierten Russen
ziehen mit in die Schlacht und drängen auf Preußens Eintritt
in den Krieg. Nach neun Jahren Frieden wird Friedrich Wilhelm gezwungen,
sich zu positionieren. Aber die Mobilisierung seines Heeres dauert zu lange,
als das es den Russen und Österreichern hätte helfen können.
So siegt Napoleon fürs erste (Schlacht b. Austerlitz) und der preußische
König schließt mit ihm ein Schutzabkommen.
Luise vertritt zum ersten Male eine eigene Meinung (die der Patriotin) gegenüber dem König. Sie muß aber einsehen, daß er sich nicht auf Diskussionen mit ihr einläßt und daß ihr Verhältnis zueinander wenigstens zeitweise großen Schaden nimmt. Sie erkennt aber auch, daß sie die einzige ist, auf die er sich verlassen kann und die sein uneingeschränktes Vertrauen genießt. Ihre Aufgabe ist es ihm zur Seite zu stehen. Leider erlaubt es ihr Gesundheitszustand im Frühjahr und Sommer 1806 nicht, dieser Aufgabe nachzukommen. Die besorgten Leibärzte Hufeland und Brown raten dringend zu einer Kur in Pyrmont. Hinzu kommt, daß Ferdinand, ihr eineinhalb Jahre junger Sohn im April stirbt.
Die politischen Ereignisse des Jahres 1806 nimmt Luise sehr besorgt auf. Im Bündnisvertrag mit Frankreich wird Preußen Hannover angeboten. Ein geschickter Schachzug, um England gegen Preußen aufzuhetzen. Unter Federführung Napoleons wird der Rheinbund gegründet, und 16 Fürstentümer erklären damit ihren Austritt aus dem Reich. „Napoleon ist ein Schuft !“ schreibt Luise ihrem Gatten mutig entschlossen und patriotisch. Als Frankreich mit England dann Friedensverhandlungen führt und die Rückgabe Hannovers zusichert, entschließt sich Friedrich Wilhelm - ganz gegen seine Natur - Macht zu demonstrieren und läßt das Heer mobil machen. Die Bevölkerung ist begeistert. Man will es dem Sieger von Austerlitz zeigen. Nur ist man isoliert und das Heer dringend reformbedürftig. So kommt es zur Katastrophe von Jena und Auerstedt.
König, Königin und Kinder fliehen nach Königsberg, wo Luise im Dezember schwer an Typhus erkrankt. Napoleon hat die Königin nie persönlich kennengelernt, und hält sie daher nach üblen Nachsagern für eine „böse Intrigantin, kriegslüsterne Amazone, die zu Pferde ihre Truppen antreibt.“ Sie habe Preußen in den Krieg gehetzt und soll mit Zar Alexander ein Verhältnis haben, den sie nun erneut gegen Frankreich aufbringt. Selbst die Franzosen, die in Berlin beschäftigt sind, weisen die Anschuldigungen als unzutreffend zurück.
Tatsächlich entwickelt sie eigene Initiative und appelliert an andere ebenfalls den Kriegsopfern zu helfen. Betrübt muß sie vom Exil aus beobachten, wie Preußen und der König unter den demütigenden Friedensbedingungen zu leiden hat. Ihre Aufgabe in Königsberg ist es, den Staat auch hier zu repräsentieren, ausländische Gäste und Diplomaten zuvorkommend zu empfangen. Aber auch Nichtadlige dürfen sie besuchen.
Im Juli 1807 trifft sie den „Quell alles Bösen“, das „Ungeheuer“, das „höllische Wesen, das sich aus dem Kot emporgewunden hat“ in Tilsit bei Friedensverhandlungen. Und der Korse gefällt ihr. So faßt sie von Hardenberg sorgfältig instruiert den Mut, mit ihm unter vier Augen zu reden und günstigere Bedingungen für Preußen zu fordern. Beim Diner mit dem Kaiser, dem Zaren und ihrem Gatten, begegnet sie Napoleon charmant und schlagfertig. Der Kaiser macht ihr Hoffnungen, zerstört sie aber schon am nächsten Tag durch den vorgelegten Friedensvertrag. Trotzdem ist er schwer beeindruckt von der Königin und spricht nur noch mit höchstem Respekt von ihr. Luise ist traurig und enttäuscht, aber ihr Bittgang hat beim Volk erneut Feindschaft gegen den Unterdrücker geschürt.
In den Jahren des Exils wird Luise immer häufiger von Krankheiten geplagt. Am 14. Oktober 1809 bringt sie zum zehnten - und wie sich zeigen - sollte letzten Male ein Kind zur Welt. Sie ist erst 33.
Die Rückkehr nach Berlin verzögert sich immer mehr und erfolgt erst im Dezember 1809. Fast auf den Tag genau 16 Jahre nach Luises ersten Einzugs in Berlin werden sie und der König auf das Herzlichste willkommengeheißen. Aber die schwierige Lage des Staates und die Angespanntheit der Zeit zerren weiter an Luises Gesundheit. Die Ärzte empfehlen im Frühjahr 1810 wieder dringend eine Kur in Bad Pyrmont. Aus politischen Gründen kann sie nicht dorthin reisen.
Stattdessen gestattet ihr der König einen Besuch beim Vater in Neustrelitz Ende Juni. Hier wird sie vom Volk großartig gefeiert. Der König kommt nach. Er zieht den Landsitz Hohenzieritz der Stadt vor und wohnt mit Luise im Schloß. Die Königin, die sich schon bei der Ankunft in Neustrelitz nicht wohl fühlte ist betrübt darüber, daß sie gerade hier schwer krank wird. Der König muß allein nach Berlin zurückkehren, denn die Staatsgeschäfte können nicht warten. Von den Ärzten erhält er am 18. Juli nachmittags per Eilkurier böse Nachrichten.
Er kommt am Morgen des 19. Juli mit seinen Söhnen in Hohenzieritz an und ist erschüttert vom Aussehen der Königin. Totenblässe und Angstschweiß dominierten ihr Gesicht. Sie können trotz ihrer Krämpfe noch miteinander sprechen und auf die Frage ob sie noch etwas auf dem Herzen habe, antwortete sie: „Dein Glück und die Erziehung der Kinder.“
Luise Auguste Wilhelmine Amalie, Königin von Preußen, verstarb
am 19. Juli 1810 um 9 Uhr vormittags. Ein großer Trauerzug begleitet
ihren Sarg, als sie am 25. Juli die letzte Fahrt nach Berlin antritt. In
Gransee und Oranienburg wird übernachtet. Am 30. wird sie in der Domkirche
feierlich beigesetzt, bis das Mausoleum im Park von Charlottenburg fertiggestellt
ist. Genau 17 Jahre nachdem die 17jährige Luise von Mecklenburg-Strelitz
nach Berlin kam, am 23. Dezember 1810, wird der Sarg in die Charlottenburger
Gruft gebracht.